Opferecke

Wie immer wollen wir an dieser Stelle Fragen beantworten, die sich die geneigte Leserschaft stellt, jedoch nicht den Mut hat, sie zu formulieren. Wir tun es für Sie und beantworten Sie zugleich kompetent. Die erste Frage taucht an den Rändern der medizinischen Wissenschaft auf: Wie äußert es sich, wenn Leute mit Muskelschwund Parkinson bekommen?

Es gibt Krankheiten, die sind so schwer, dass sie andere toppen. Die meisten Arten von Muskelschwund weisen in ihren Spät- und Finalstadien eine solche Symptomatik auf. Es äußert sich deshalb gar nicht, wenn Leute mit Muskelschwund Parkinson bekommen. In ihrem Hirn spielen sich die typischen Zersetzungsprozesse ab – und niemand bemerkt es. Die sogenannten Leitsymptome von Parkinson sind Rigor, Tremor und Bradykinese. Auf Deutsch heißt das, dass die Muskeln zeitweise erstarren, fast ununterbrochen zittern und die Bewegungsabläufe insgesamt verlangsamt sind. Ein Muskelschwündler bewegt sich irgendwann so gut wie gar nicht mehr, auch nicht verlangsamt. Die Reste des Gewebes, was man gemeinhin als Muskel bezeichnet, sind nicht mehr in der Lage zu erstarren oder gar ununterbrochen zu zittern. Im Spätverlauf der Parkinsonerkrankumg kommt es häufig auch zu Halluzinationen. Erst an diesem Punkt hat der Muskelschwündler die Chance, seiner Mehrfachbehinderung gewahr zu werden, zum Beispiel wenn sich im Schlafzimmer mehr Assistenten aufhalten, als zum Team gehören. Die Antwort auf diese Frage zeigt uns, dass man eine schwere Erkrankung bekommen kann, ohne sie überhaupt zu bemerken. Noch interessanter ist der Fall, wenn ein Parkinsonpatient Muskelschwund bekommt. Es wäre für ihn eine Heilung.

Die nächste Frage ist allgemeiner Natur und kann jeden betreffen: Muss man mit einem behinderten Kind spielen, nur weil es behindert ist?

Nein. Es gibt auch unter behinderten Kindern Arschlöcher, mit denen niemand spielen will. Jeder, der auf eine integrative Schule gegangen ist oder in einem Behinderteninternat gelebt hat, weiß das. Außerdem gibt es Behinderungen, die das berühmte Kindchenschema toppen. Da hat man erstmal Berührungsängste. Aber wenn man seinen guten sozialpädagogischen Ruf nicht gefährden will, dann muss man trotzdem. Ja!

Die dritte Frage steht in gewisser Weise mit der vorherigen im Zusammenhang: Ist es für Behinderte diskriminierend, wenn man sich weigert, sie zu schlagen?

Diese Frage ist zunächst einmal ganz einfach zu beantworten: Ja, es gibt Situationen, wo das der Fall ist. Eine Domina z. B., die einen behinderten Kunden nicht schlagen will, enthält ihm eine Dienstleistung vor, die sie anderen gewährt. Auch ein Schachspieler, der seinen behinderten Gegner nicht schlagen möchte, diskriminiert ihn, weil er ihn nicht als ebenbürtiges Gegenüber wahrnimmt. Und hier sind wir schon beim komplizierteren Teil der Antwort. Jemanden – egal wie nötig es erscheint – einen Schonraum zuzuweisen, bedeutet auch, ihn gegenüber denen abzuwerten, die nicht geschont werden müssen. Wer also will, dass sein Kind mit behinderten Kindern spielt, darf ihm nicht verbieten, sie zu schlagen.

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